Die in Frage kommende Waldfläche ist bereits mehrfach geschützt, sie ist z.B. in das „Natura-2000-Netz“ der EU einbezogen. Diese Verordnung besagt, dass eine Verschlechterung des derzeitigen, anerkannt guten Zustands nicht zulässig wäre. Zudem befinden sich im Naturparkgebiet 350 ha, die als Naturschutzgebiete jetzt schon gesetzlichen Regelungen unterworfen sind, die einem Nationalpark entsprächen. Für weitere 220 ha ist der Schutzstatus Naturwaldreservat beantragt. Was sollte der Titel „Nationalpark“ für den Naturschutz noch viel verbessern?

Für die Menschen würde sich viel ändern: Sobald ein Gebiet den Vorschriften eines Nationalparks unterworfen wird, ist sein gesetzlich fixierter Zweck, als unberührter Wald der Wissenschaft zu dienen. Was dann als naturfreundlich gilt, sagen die Wissenschaftler. Im Gesetz werden nur zweitrangig auch andere Zwecke angegeben.

Tourismus z.B. bedeutet mehr Menschen und Verkehr in der Region. Das ließe sich kaum mit dem absoluten Schutz in einem Nationalpark vereinbaren. Es wäre wahrscheinlicher, dass die wissenschaftlich orientierten Herren eines Nationalparks, weitere Areale den menschlichen Einwirkungen entziehen wollten. Touristen kämen höchstens bis in angrenzende Regionen. Ein Nationalparkgefühl bekämen sie dort in Tiergehegen und Infozentren vermittelt. Gewinnen könnten damit bestenfalls die Hotels in den Städten und die Anbieter, die in eine gute touristische Struktur integriert sind. Anbieter in der Kernregion hätten keine Chance, etwas Konurenzfähiges aufzubauen.

Die wirtschaftliche Basis der Menschen in den Gemeinden des nördlichen Steigerwalds, stützt sich stark auf die Forstwirtschaft, auf Holz verarbeitende Betriebe und auf den klimafreundlichen Energielieferanten Holz. In einem Nationalpark wäre die Holznutzung untersagt. Wo sollte dann das wegfallende Holz herkommen? Käme es zum Raubbau an den verbleibenden Waldflächen? Welche Folgen für Klima und Natur hätte das? Ist es verantwortbar, dafür die wirtschaftliche Existenz vieler Menschen zu gefährden?

Die Kultur der Menschen in den Dörfern des Steigerwald hat sich aus dem Umgang mit „ihren Wald“ entwickelt. Kein Wunder, dass dem Verein „Unser Steigerwald e.V.“ nahezu alle Steigerwaldgemeinden angehören und er mit rasantem Tempo auf das zweitausendste Mitglied zusteuert.

Siegfried Ständecke, 1. Bürgermeister

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