Der Steigerwald soll so bleiben, wie er ist

Dass ein Nationalpark im Steigerwald eines Tages auf einer internationalen Klimaschutzkonferenz zur Verhandlungsmasse der Bundesregierung gehören und er so „von oben“ aufgezwungen werden könnte, das wollen die beiden Vorsitzenden des Vereins „Unser Steigerwald“, Gerhard Eck und Oskar Ebert, nicht definitiv ausschließen. Andererseits sehen sie die „Front“ im Bayerischen Landtag und im Steigerwald „stehen“. Aber man sei natürlich nicht blauäugig und habe sich auf einen langen Widerstandskampf eingestellt, so beide in einem Gespräch mit der Redaktion.

Als Einstieg in die Aufwertung des Naturparks Steigerwald soll mit Unterstützung der Staatsregierung ein so genanntes Nachhaltigkeitszentrum entstehen.

„Wir haben das Problem, dass die Befürworter des Nationalparks in den Naturschutzverbänden aufgrund ihrer hauptamtlichen Möglichkeiten medial stark begleitet werden und Dinge in den Fokus gerückt werden, die definitiv nicht stimmen“, so „Unser Steigerwald“-Chef Gerhard Eck. Vor allem stört den Staatssekretär im Bayerischen Innenministerium aus Pusselsheim und Rauhenebrachs Bürgermeister Oskar Ebert, dass die Situation so hingestellt werde, als müsste der Wald vor den Menschen geschützt werden. Dabei sei im Steigerwald über Jahrhunderte hinweg auf der Basis des Grundsatzes „Nützen und Schützen“ für die naturnahe Waldbewirtschaftung die Kultur- und Waldlandschaft geformt worden. Diese Symbiose aus Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit bekomme von anerkannten Fachleuten die Note 1 bis 2.

Zugleich werde aus der Waldbewirtschaftung, mit allem, was daran hängt, im Jahr je nach Marktpreislage eine Rendite zwischen 30 und 50 Millionen Euro erwirtschaftet. Gerhard Eck: „Bei uns hat sich entwickelt, was überleben kann.“

Bereits heute stünden von den 17 000 Hektar Staatswald unter den Fittichen des Forstbetriebs Ebrach 1000 Hektar unter Schutz. Konkret handelt es sich um sechs Naturwaldreservate und die damit vernetzten Flächen im Rahmen des „Trittstein“-Konzepts, die zur Erhaltung und Verbesserung der Artenvielfalt beitragen. Für Gerhard Eck „ein Biotopverbundsystem in Perfektion“.

Und schon jetzt sei gesetzlich festgelegt, dass sich der Schutzzustand nicht verschlechtern dürfe. Gerhard Eck: „Warum also sollen wir den Schutzstatus ändern? Wir haben unsere Aufgaben erfüllt. Der Ist-Zustand ist nicht verbesserbar, wenn man sieht, was die Natur auf der einen und die Menschen auf der anderen Seite an Nutzen daraus ziehen.“ Folglich müsse dem Steigerwald keine weitere Schutzglocke übergestülpt werden.

Der Bund Naturschutz habe sich bislang nie für die Wirtschaftlichkeit interessiert, diese aber plötzlich als „Jobmaschine“ entdeckt. Tatsächlich hätten sich die Zahl der Übernachtungen im Nationalpark Bayerischer Wald, der immer gern als Vergleich herangezogen würde, halbiert. Das zeige, dass die Attraktivität nicht erst seit der grenzübergreifenden Erweiterung des Nationalparks auf tschechisches Gebiet mit  dort billigeren Preisen in Hotellerie und Gastronomie gelitten habe.

Gerhard Eck: „Bei uns wird den Leuten suggeriert, man verpasst ohne Nationalpark eine Chance gerade für den Tourismus. Am Bayerischen Wald ist abzulesen, dass sie nicht hochgekommen sind. Wir wollen keinen überhasteten, sondern einen sanften Tourismus.“

In diesem Zusammenhang würde immer wieder übersehen, dass der Steigerwald mit vielen kleinen Dörfern dazwischen viel kleinstrukturierter sei als der Bayerische Wald. Der Bürgerwald Gerolzhofen-Dingolshausen sowie viele private und kommunale Waldungen würden von dem auf Staatswaldgebiet geplanten Nationalpark regelrecht eingeschlossen und als Störfaktoren auf Dauer für Konfliktpotenzial sorgen. Die Kleinstrukturiertheit verhindere hier eine zusammenhängende Fläche mit entsprechenden Puffern dazwischen, die für einen Nationalpark unabdingbar seien. Eck: „Das wird immer wieder unter den Teppich gekehrt.“

Überhaupt sei die verantwortungsvolle Nutzung des Waldes nichts Falsches und nichts Schlechtes. Um dies den Menschen, vom Kleinkind bis zum Senior zu verdeutlichen, soll ein Nachhaltigkeitszentrum „mit Substanz“ im Bereich des Zabelsteins als Schnittstelle zwischen den Landkreisen Haßberge und Schweinfurt entstehen. Dies als Fundament für alles, was „später“ angedockt werden kann.

„Wir haben hier schon ein Biotopverbundsystem in Perfektion.“

Gerhard Eck, Vorsitzender des Vereins „Unser Steigerwald“

Die CSU fahre im Hinblick auf den Steigerwald, angeführt von Ministerpräsident Horst Seehofer, einen ganz klaren Naturpark-Kurs, der im Landtag von den Freien Wählern und der FDP unterstützt werde. Die SPD sei geteilter Meinung. Die Grünen seien für einen Nationalpark.

Aber, so weiß auch Gerhard Eck: „Wir werden das Spiel schon noch eine Zeit lang betreiben müssen und solange weiter mit Leidenschaft für das Herzstück unserer Landschaft, den Steigerwald, kämpfen.“

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