Verein „Unser Steigerwald“

Stellungnahme zu einem Flyer des Vereins „Nationalpark Nordsteigerwald e.V.“

Der Verein „Nationalpark Nordsteigerwald“ hatte in den vergangenen Wochen einen Flyer verteilt, bzw. als Anzeige veröffentlicht, der viele Behauptungen enthält, die aus unserer Sicht nicht richtig sind.

Es wird in diesem Flyer von „Lügen“ gesprochen und es werden wissenschaftliche Erkenntnisse einfach ignoriert, nur um Stimmung zu machen.

 

Wir bedauern diese Art der Auseinandersetzung und wollen deshalb dazu Stellung beziehen, auch um in die Debatte mehr Sachlichkeit zu bringen.

 

 

 

Region Steigerwald nicht gefährden!

Der Verein „Unser Steigerwald“ verfolgt das Ziel den Steigerwald in seiner bewährten Form als Naturpark mit einer verantwortungsvollen und nachhaltigen Waldbewirtschaftung zu erhalten.

Außerdem wehren wir uns, dass mit einer Umwidmung in einen Nationalpark eine funktionierende Region ihr Selbstbestimmungsrecht verliert und die Wälder des Steigerwalds schutzlos dem Klimawandel ausgesetzt werden.

Artenschutz war einst das Hauptmotiv für die Ausweisung von Großschutzgebieten. Doch dieses Argument hält einer kritischen Prüfung längst nicht mehr stand. Aktuelle, auf internationaler Ebene durchgeführte Studien, vorgestellt vor kurzem auf dem 4. wissenschaftlichen Symposium in Handthal, bestätigen, dass es „keine belastbaren Beweise gibt für ein generelles Naturschutzprinzip, welches den Schutz großer zusammenhängender Flächen als wertvoller einstuft als den vieler kleiner Flächen der gleichen Gesamtfläche“. Funde von längst als ausgestorben geltenden Arten in bewirtschafteten Wäldern – wie unlängst im Forstbetrieb Arnstein – widerlegen das alte Schutzmuster Nationalpark. Umfassende Studien der Professoren Schulze und Ammer sehen keine Vorteile von ungenutzten Wäldern bezüglich des Artenschutzes, ja forcieren sogar aktive Maßnahmen, um Spezialisten ein Überleben zu gewährleisten. Die sehr erfreulichen Ergebnisse des Trittsteinkonzeptes im Forstbetrieb Ebrach bestätigen schon nach kurzer Zeit den richtigen Weg: Schützen und Nutzen.

In dieser argumentativen Notlage muss das Tourismusargument für die Rechtfertigung eines Nationalparks herhalten, wobei Tourismus noch nie eine Region nachhaltig am Leben gehalten hat. Bereits eine in den Jahren 2006 – 2011 vom Bundesumweltamt durchgeführte Studie bescheinigt älteren Nationalparkregionen, wobei der Harz, der Bayerische Wald und Berchtesgaden ausdrücklich genannt werden: „Übernachtungsverluste, massive Marktanteilverluste“ und dies, obwohl jährlich ca. 15 Millionen Kosten für den NP Bayerischer Wald anfallen. Trotzdem ist die finanzielle Lage der Bayerwald-Gemeinden nachweislich deutlich schlechter als die der Steigerwald-Gemeinden. Diese Situation wird sich noch verschärfen, wenn klimabedingt die Wintersportmöglichkeiten ausfallen.

Die Nürnberger lieben ihren Reichswald, die Bamberger ihren Hauptsmoorwald, die Steigerwälder ihren Steigerwald auch ohne den Status Nationalpark; besonders auch deswegen, weil sie nicht auf den größten Teil der Flächen durch Betretungsverbote ausgeschlossen werden wollen. Zur Attraktivitätssteigerung dieser Wälder geschaffene Einrichtungen wie Baumwipfelpfade, Wildschaugehege, Lehrpfade, Bildungseinrichtungen etc. erhöhen die Anziehungskraft. Hierzu bedarf es aber keines Nationalparks, wie sich im Steigerwald in den letzten Jahren eindrucksvoll bestätigt hat. Der Versuch, auch mit wissenschaftlichen Methoden, die wirtschaftliche Belebung einer Region am Beispiel des NP Bayerischer Wald zu belegen, ist kläglich gescheitert: Der vom Bayerischen Umweltministerium beauftragte Würzburger Prof. Job musste eingestehen, dass er nur ein Gefälligkeitsgutachten gemacht habe.

Selbst der Reporter Günter Flegel hat in einem Bericht (FT vom 4.1.2011) zu diesem Thema festgestellt: “Der Bund Naturschutz zog die letzte Karte aus dem Ärmel und versuchte in der Region damit zu punkten, dass er den Nationalpark quasi als Konjunkturprogramm anpries. Unglaubwürdiger haben Naturschützer sich und ihre Idee wohl nur selten verkauft. Warum? Ein Nationalpark wird nicht eingerichtet, um den Tourismus und die Wirtschaft zu fördern“. Weiter heißt es:“ Natur allein zieht nicht mehr im multimedialen Zeitalter, der Besucher erwartet ein „Event“. Das können die noch so alten noch so schönen Buchen im Steigerwald nicht bieten und seltene Käfer und Pilze sind für Experten interessant, nicht aber für Otto Normalverbraucher. Der wandert durch den Steigerwald, kehrt ein Steigerwald und freut sich an der Natur.

Ob die Nationalpark heißt, ist ihm egal“…“.

Der Steigerwald wird nicht besser, wenn er offensiv für den Tourismus erschlossen wird und für die Menschen im Steigerwald nicht lebenswerter“.

Da weder Artenschutz- noch Tourismusargumente für einen Nationalpark sprechen, muss das omnipräsente Zauberwort Klimaschutz herhalten. Ungefähr 14% des in Deutschland erzeugten CO2 werden durch unsere nachhaltig bewirtschafteten Wälder der Atmosphäre entzogen. Dies funktioniert nur, wenn das stetig im Wald heranwachsende Holz in den Wirtschaftskreislauf als Bau-Werkstoff, Energieersatzstoff oder Ersatz für energieintensive Werkstoffe verwendet wird, und nicht großflächig im Wald verfault; denn sich selbst überlassene Wälder geben im Endstadium ihrer Entwicklung die gleiche Menge CO2 ab, wie sie bei ihrem Wachstum binden.

Der bekannte Klimaforscher Prof. Schellnhuber wirbt daher für eine massive Ausdehnung des Holzbaus, nicht nur in Deutschland.

Klimaschutzfunktionen können Wälder nur erfüllen, wenn sie am Leben bleiben. Gerne verweisen NP-Befürworter auf abgestorbene Fichten und Kiefern und vertuschen die in den letzten Trockenjahren starken Verluste von Buchen auch in Nationalparken. Die neuesten Erkenntnisse aus o.g. wissenschaftlichem Symposium belegen die Anfälligkeit der Buche gegenüber auftretendem Wassermangel und bestätigen, dass diese Baumart gerade im niederschlagsarmen Franken auf den tonigen und flachgründigen Böden verloren gehen wird.  Von diesen gibt es im Steigerwald genügend. Die NP-Befürworter vertuschen auch, dass die Buche, wo sie noch eine Überlebenschance hat, ökologisch wertvolle Mischbaumarten massiv verdrängt und damit der Entstehung von Monokulturen Tür und Tor öffnet.

Sie vertuschen, dass die Buche ein breites Schädlingsspektrum, angefangen vom Buchen-Prachtkäfer, kleinem Buchen-Borkenkäfer bis zum aggressiven asiatischen Laubholzbockkäfer hat, der auch gesunde Laubbäume befällt.

Sie vertuschen, dass der aktive Umbau unserer Wälder die aktuell größte Herausforderung der Forstwirtschaft darstellt und der Traum vom Nichtstun („Natur Natur sein lassen“), bei dem Jahrtausende dauernden Anpassungsprozess unserer Wälder an andere Umweltbedingungen strikt verantwortungslos ist. Selbst Bundesumweltministerin Schulze hat bei der Vorstellung des überarbeiteten Klimaschutzgesetzes von einem “Fit machen der Wälder“ gesprochen und die herausragende Bedeutung nachhaltig bewirtschafteter Wälder zur Entschärfung der Klimaproblematik erkannt.

Die in Deutschland wohl einmalige und gut funktionierende wirtschaftliche Struktur einer gewachsenen klein- und mittelständischen Holzindustrie und deren Nähe zum Rohstoff im Steigerwald werden wir nicht einem Auslaufmodell Nationalpark opfern. Dies hat die Region nicht verdient, und wir müssen es mit allen Mitteln verhindern.

 

Weitere Informationen:

Verein Unser Steigerwald e.V.

www.unser-steigerwald.de

Oskar Ebert