Bericht im Fränkischen Tag:

Seehofer stützt Gegner des Nationalparks

Steigerwald.  Der Verein „Unser Steigerwald“ übergibt knapp 30.000 Unterschriften betroffenen Bürger, und der Ministerpräsident sichert zu: Gegen deren Willen wird nichts geschehen.

Im jahrelangen Streit darüber, ob aus dem Naturpark Steigerwald ein Nationalpark werden soll, hat der Verein „Unser Steigerwald“ gestern einen Durchbruch erzielt. Dessen Vorsitzender, CSU-Innenstaatssekretär Gerhard Eck aus Donnersdorf, übergab Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) „fast 30.000 Unterschriften unserer Bürger, die ihre Kulturlandschaft erhalten und keinen übergestülpten Nationalpark wollen“. Beifall brandete auf im Foyer des Landtags, als Seehofer zusicherte: „Gegen Ihren Willen, und der ist ja eindeutig, wird nichts geschehen.“ Damit sahen sich die auch die Bamberger CSU-Kreisräte bestätigt, die erst am Montag in interner Sitzung eine Auseinandersetzung mit ihrem Landrat Günther Denzler hatten, der neben dem Bund Naturschutz zu den Befürwortern des Nationalpark-Projekts zählt.

Genau 27.314 Unterschriften waren es, die die gut 60 eigens mit dem Bus angereisten Mitglieder des Vereins dabei hatten, der laut Eck („Bald werden es 10.000 sein“) fast 3000 Mitglieder zählt. Noch bei ihrem Eintreffen im Landtag waren die Erwartungen eher gedämpft. „Wir sind hier, um das zu erhalten, was unsere Vorfahren bereitet haben,“ sagte Hans Haubenreich aus Geiselwind, und auch der zweite Vorsitzende Oskar Ebert, Bürgermeister (Freie Wähler) in Rauhenebrach, hängte die Hoffnungen nicht allzu hoch: „Die Staatsregierung soll die eindeutige Willensbildung der Bevölkerung im Steigerwald zur Kenntnis nehmen.“

Dann trat Horst Seehofer hinzu, und er nahm sich trotz beginnender Sitzung der CSU-Landtagsfraktion Zeit, denn die Rednerliste verlängerte sich. Es könne nicht sein, dass der wirtschaftlichen Entwicklung durch überzogenen Schutz der Boden entzogen werde, sagte Eck: „Wir wollen die Kulturlandschaft erhalten, und wir fordern Selbstbestimmung in der Region, nichts anderes.“ Der Wald werde bereits jetzt auch von den Staatsforsten mit Konzepten erhalten, „die bayernweit geeignet sind als Vorbild“, und alle betroffenen Kommunen bis auf Ebrach hätten in ihren Gemeinderäten den Nationalpark abgelehnt: „Da sind 50.000 Menschen vertreten.“

„Nützen und Schützen“

Der umweltpolitische Sprecher der CSU-Landtagsfraktion, Otto Hünnerkopf aus Wiesenthaid, forderte eine Lösung „im Sinne der Menschen, die dort leben und wirtschaften“, und auch der Scheßlitzer CSU-Abgeordnete Heinrich Rudrof, Vorsitzender der Forstwirtschaftlichen Vereinigung Oberfranken, dankte der Staatsregierung schon im voraus dafür, „dass sie nicht gegen den Willen der Mehrheit der Bevölkerung handelt“. Die schätzt Rudrof auf über 90 Prozent, und dies mit gutem Grund: „Die Leute verstehen nicht, dass etwas, was in Jahrhunderten gewachsen ist und gehegt und gepflegt wird, jetzt plötzlich unter einen völlig überzogenen Schutz gestellt werden soll.“ Seehofer, der der Delegation zunächst „höchsten Respekt“ erwies („Das ist das Bayern, das ich mir vorstelle, wo die Bürger sich für ihre Heimat engagieren“), bezeichnete „Nützen und Schützen“ als seine Leitlinie: „Die schöne Landschaft ist durch das verantwortliche Handeln der Menschen entstanden und nicht, weil vielleicht vor 300 Jahren irgendein Ministerium daherkam.“

„Gegen die Menschen machen wir keine Politik,“ bekräftigte Seehofer: „Was ich Ihnen jetzt sage, das gilt, auch wenn es vielleicht wieder als populistisch bezeichnet wird. Die moderne Politik braucht den Grundkonsens zwischen den Menschen und den politisch Verantwortlichen.“
Seine Zusage an den Verein „Unser Steigerwald“ sei „an Eindeutigkeit nicht zu überbieten,“ schloss Seehofer.

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