Selbstdarstellung hilft dem Wald nicht

Selbstdarstellung hilft dem Wald nicht

Zum FT vom 28.05.2020. „Die Waldschäden nehmen zu.“ Bund Naturschutz (BN) macht auf die
anhaltend kritische Situation im Staatswald im Bereich Bamberg-Forchheim aufmerksam.

Als einer von der Forstpartie möchte ich klarstellen, dass wir arm dran wären, wenn wir auf die
Unterstützung des BN bei der Existenzsicherung unserer Wälder angewiesen wären; denn
medienwirksame Auftritte wie sie beim BN und dessen nahestehender politischer Partei an der
Tagesordnung sind, helfen den für unsere Wälder verantwortlichen Förstern, Waldarbeitern und
Waldbesitzern nicht bei der Bewältigung ihrer größten Herausforderung, nämlich dem aktiven
Umbau unserer Wälder in klimastabile Waldgesellschaften.

Waldumbau in Richtung stabiler Mischwälder betreibt die Forstpartie schon seit einem halben
Jahrhundert. Der Verfasser dieses Leserbriefes hat die Entwicklung und Umsetzung des Konzeptes
der „Bayerischen Waldklimastationen“, d.s. ökologische Messstationen, die mittlerweile seit fast
vierzig Jahren europaweit (!) die Einwirkung klimatischer und atmosphärischer Belastungen auf
unsere Wälder untersuchen, geleitet. Dazu haben wir weder einen BN gebraucht noch gab es
damals irgendwelche Grüne. Leider hofieren diese, gestützt durch eine in weiten Teilen einseitig
berichtende Medienwelt, lieber einen Exförster Wohlleben, der es vorzieht durch Talkshows zu
tingeln, mit Halb- und Unwahrheiten die Gesellschaft zu „informieren“, seine Exkollegen als
Metzger zu bezeichnen als die Knochenarbeit von Förstern, Waldarbeitern und Waldbesitzern beim
Umbau und der Begründung klimastabiler Wälder zu würdigen.

Die Natur sieht die Folgen des Klimawandels nicht voraus, sie kann bestenfalls darauf reagieren
und das dauert bei den langen Entwicklungsstadien eines den gesellschaftlichen Ansprüchen
genügenden, multifunktionalen Waldes Jahrtausende. Diese Zeit haben wir nicht. Die
nacheiszeitliche Wiederbewaldung, die klimagesteuert war, ist ein historisches Beispiel. Es ist
deshalb unverantwortlich, Großschutzgebiete wie z.B. Nationalparks auszuweisen und damit die
Stabilisierung unserer Wälder durch aktive Einbringung von „Zukunftsbaumarten“ oder die
natürliche Entstehung von nicht standortsangepassten Monokulturen zu unterbinden. Auch bringt
uns der Klimawandel ein völlig neues Schädlingsspektrum, das vor keiner Baumart Halt machen
wird. Dem Niedergang unserer Wälder zuzuschauen, indem man aktive Bekämpfungsmaßnahmen
in Schutzgebieten verbietet, ist bei der an sich schon kritischen Situation unserer Wälder unverant-
wortlich. Wenn das vom BN als Waldexperte bezeichnete Mitglied Straußberger im Zusammenhang
mit einer dringend erforderlichen Bekämpfung des Schwammspinners im FT vom 03.05.2019
zitiert wird: „Wir kritisieren, dass die Eichenwälder vergiftet wurden, ohne dass für die betroffenen
Flächen erfasst wurde, ob schützenswerte Arten vorkommen“, so sollte diese Aussage
die Gerichtsbarkeit befassen zumal sie vom Mitglied eines Verbandes stammt, dem
Gemeinnützigkeit zuerkannt wurde. Richtig ist, dass die betreffenden Eichenwälder, wie viele
andere, durch diese Massnahmen gerettet wurden und die bayerische Landesanstalt für Wald- und
Forstwirtschaft für eine restriktive Bekämpfung in ganz Deutschland bekannt ist.

Dr. Andreas Knorr
Frensdorf