Unser Steigerwald e.V. zur Frage, welches Konzept den Wald wirklich schützt

Rauhenebrach, 26. Juni 2026 – Seit über 50 Jahren werben Nationalparkbefürworter mit dem Slogan „Natur Natur sein lassen“. Der Satz klingt verlockend – er lebt davon, dass er ein schönes Bild erzeugt, das mit der Wirklichkeit allerdings wenig zu tun hat. Wer „Natur Natur sein lassen“ hört, denkt: Der Mensch tritt zurück, der Wald regelt sich selbst, Fuchs und Hase sagen sich „Gute Nacht“. In jedem bestehenden Nationalpark aber finden fortwährend Eingriffe statt – z.B. Pflanzungen, Jagd, Waldbrandbekämpfung und vieles mehr.

Wenn Befürworter diese Eingriffe dann als „kleine Eingriffe“ bezeichnen, ist das keine sachliche Einordnung. Ein Eingriff bleibt ein Eingriff, egal welches Adjektiv davorsteht. „Dieser Slogan ist seit Jahrzehnten das stärkste Instrument der Nationalparkbewegung – hat jedoch wenig mit der Praxis in bestehenden Nationalparks zu tun“, so Oskar Ebert, stellvertretender Vorsitzender von Unser Steigerwald e.V. „In keinem einzigen Nationalpark Deutschlands wird tatsächlich auf Eingriffe verzichtet. Im Gegenteil – es wurden Milliarden an Steuergeldern für Eingriffe vernichtet, damit Natur gerade nicht Natur sein darf.“

Klimawandel braucht aktive Antworten

Wer den Steigerwald wirklich schützen will, muss fragen, welche Baumarten ihn in den nächsten Jahrzehnten tragen werden. Rotbuche und Weißtanne geraten unter zunehmenden Hitzestress. Absterbende Rotbuchen sind bereits heute keine Ausnahme mehr. Die Eiche hingegen zeigt deutlich höhere Klimaresilienz. Doch Eichen brauchen viel Licht, aktive Saat oder Pflanzung und gezielte Pflege, damit sie überhaupt hochkommen. Ebert bringt es auf den Punkt: „Der Klimawandel wartet nicht darauf, dass sich der Wald selbst organisiert. Wer jetzt die Hände in den Schoß legt und den Wald im Stich lässt, riskiert, dass in dreißig Jahren die klimafesten Baumarten schlicht fehlen.“

Durch gezielte, vorsichtige Eingriffe entsteht Stabilität und Baumartenvielfalt, die ihrerseits Strukturvielfalt schafft: Nischen für Fledermäuse und Vögel, Lebensräume für Totholzbewohner, eine Flora, die im geschlossenen, lichtarmen Buchenmeer nicht existieren kann. Die bewirtschafteten Waldorte haben Dank des Ebracher Trittsteinkonzeps inzwischen eine gleich große Anzahl an Arten wie in den Naturwaldreservaten – erhalten durch nachhaltige Waldpflege, nicht trotz ihr.

Das Trittsteinkonzept: Schutz und Nutzung

Das vom Forstbetrieb Ebrach entwickelte Trittsteinkonzept nimmt gezielt kleine Teilflächen aus der Nutzung und vernetzt sie mit vielen Tausende an Biotopbäumen in den bewirtschafteten Waldorten – Holznutzung und Artenschutz ganz eng verzahnt.

Das Ebracher Trittsteinkonzept ist europaweit wissenschaftlich anerkannt und wurde von der UN als TOP-10-Projekt für ökologische Qualität ausgezeichnet. Klimafeste Baumarten werden zeitnah eingebracht, Totholzbewohner und weitere Waldarten aktiv gefördert, und heimisches Holz zur stofflichen Verwendung (Möbel, Holzhäuser, Dachstühle) sowie als erneuerbarer, grundlastfähiger Energieträger weiter genutzt. „Das Trittsteinkonzept zeigt, dass Naturschutz und Nutzung kein Widerspruch sind“, so Ebert. „Wir schützen Steigerwald, Holz und Klima – ein Nationalpark kann das nicht.“

Unser Steigerwald e.V. wurde 2008 gegründet und zählt über 3.600 Privatmitglieder sowie rund 59 Gemeinden, Verbände und Organisationen. Der Verein ist vom Bayerischen Landesamt für Umwelt als anerkannte Umweltvereinigung eingetragen.

Pressekontakt:

Verein Unser Steigerwald e.V.

www.unser-steigerwald.de

Oskar Ebert, stellvertretender Vorsitzender, Mail: info@unser-steigerwald.de

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