Zur Studie von Herrn Prof. Job, der im „Spiegel“ zitiert wird, habe ich einen Leserbrief zugesandt, den ich Ihnen vorab im Folgenden übermittle. Vielleicht helfen Ihnen meine Anmerkungen für eine sachliche Diskussion!

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich befürchte, Sie sind in Ihrem Beitrag einem Irrtum bzw. einem Sommer-Bären aufgesessen. Der Nationalpark Bayerischer Wald soll, laut Herrn Job, jährlich rund 900 Vollzeitbeschäftigte bringen. Dies wird errechnet aus einem Umsatz jährlich € 27,8 Millionen. Selbst wenn man unterstellt, daß alle Besucher das Gebiet tatsächlich nur wegen dessen „Nationalparketikett“ bereisen, hat diese Berechnung einen eklatanten Fehler. Die Umsatzsumme wurde hier einfach durch den durchschnittlichen Bruttoarbeitslohn der Beschäftigten im Gastgewerbe (€ 30.000.–) geteilt – heraus kommt dann die Zahl 900…

Aber, vom Umsatz müssen bekanntlich Investitionen, Wareneinkauf, Steuern und Abgaben sowie eine Vielzahl anderer Kosten bezahlt werden – der Lohnkostenanteil am Umsatz des Gastgewerbes beträgt lediglich rund 25%. Also liegt der „Job-Effekt“ realistisch auch nur bei rund 200 bis 250 Personen. Von diesen müßte man korrekterweise die Sach- und Personalkosten der Nationalparkverwaltung abziehen, um den tatsächlichen Nettoeffekt ermitteln zu können. Die von Prof. Job genannten 200 Mitarbeiter der Nationalparkverwaltung können ja eigentlich nicht der Haben-Seite zugerechnet werden.

Bei korrekter und vollständiger Betrachtung relativiert sich die Bedeutung des Tourismus also gegenüber anderen Wirtschaftszweigen erheblich. Aber damit ist es natürlich auch schwierig, Argumente für weitere Nationalparks zu sammeln…

Das Ergebnis mancher „Machbarkeitsstudien“ wird mehr vom angestrebten Ergebnis bestimmt, als davon, unterschiedliche Positionen objektiv zu klären – und das sollte ja eigentlich das Ziel von Gutachten und Wissenschaft sein.“

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Manfred Steinröx
Projekt- und Beratungsgesellschaft für
Wirtschaft – Kultur – Freizeit

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