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Die zur Herstellung von Schaufeln begehrten – Bäume waren einst der Stolz des nördlichen Steigerwaldes

Die Hauptholzart des Steigerwaldes, früher sprach man vom „Brotbaum“, war und ist die Buche. Durch sie ist er weit über Deutschland hinaus berühmt geworden, denn sie erreicht zum Teil die stolze Höhe von über 30 Meter und ist von hervorragender Qualität. Zudem zählt die Rotbuche (Fagus silvatica) mit ihrem silbergrauen, wie eine Säule dem Himmel emporstrebendem Stamm zu den schönsten Waldbäumen der fränkischen Heimat.

Naturgemäß ist der Steigerwald ein Laubholzgebiet und dieser Waldtyp ist erhalten geblieben. Und auch wenn die alten Buchen seltener geworden sind, weiß man die hier herrschende biologische Vielfalt an Laubbäumen zu schätzen.

Nicht vergessen sind vor allem die mächtigen Altbuchen, die noch bis nach 1960 ihre Kronen gegen den Himmel streckten, und die Bezeichnung „Schaufelbuchen“ führten. Keine genaueren Vorstellungen bestehen allerdings selbst im Steigerwald vielfach mehr darüber, was sich hinter diesem Begriff verbirgt.

Name von Verwendung abgeleitet
Wer denkt heute noch daran, dass die höchsten und stärksten Buchen den Namen von ihrer Verwendung ableiten? Denn zur Herstellung von Schaufeln waren sie sehr begehrt. Auch heute noch können diese aus dem Steigerwald bezogen werden. Benutzt werden sie in Brauereien, Mälzereien und Bäckereien, weil sie die Körner im Gegensatz zu den Metallschaufeln nicht beschädigen.

Früher, als die Schaufeln mit Stiel aus einem Stück hergestellt wurden, benötigte man große Buchen. Schaufelbuchen setzten deshalb ein hohes Alter voraus, das heißt sie mussten über 200 Jahre alt sein.

Doch seit Ausbreitung der Landwirtschaft hatte der Wald unter Rodungen und dem starken Holzverbrauch durch die zunehmende Bevölkerung stark gelitten. Als besonders schädlich erwiesen sich die Köhlerei, die Glasherstellung, der Brennholzbedarf, die durch Kriegsnot aufgekommene Streunutzung und die Waldweide. Die Regierungen mussten deshalb den Holzverbrauch einschränken.

Die Waldordnung von 1721
Als der für den westlichen Steigerwald zuständige Fürstbischof erließ Johann Philipp Franz von Schönborn 1721 eine grundlegende Waldordnung. Dies geschah somit lange vor der Einführung der Forstwissenschaft durch Heinrich Cotta (1763-1844) an der Forstlehranstalt im thüringischen Zillbach.

Trotz der Kriege mit ihren schrecklichen Folgen entwickelte sich im Steigerwald bald ein ausgedehnter Rotbuchenwald mit einer vielfältigen Pflanzen- und Tierwelt von herausragender Bedeutung. Die vorhandenen Bestände wurden ausschließlich natürlich verjüngt, das heißt die vorhandenen Stämme warfen ihre Samen ab oder wurden „auf Stock gesetzt“, also bis auf den Stock zurückgeschnitten und zum Stockausschlag gezwungen. So ging aus ihnen wieder eine neue Baumgeneration hervor.

Noch bis nach dem Zweiten Weltkrieg konnte reichlich Buchen-Starkholz aus den ehemaligen Forstamtsbezirken Fabrikschleichach und Hundelshausen auf den Markt gebracht werden, mit dem auch gute Preise zu erzielten waren.

Beeindruckende Laubmischwälder
Besonderen Eindruck hinterließen die Mischwälder mit eingesprengten anderen Laubholzarten und Unterholz. Vor allem am Westanstieg kamen neben der Buche ausgedehnte Eichenwälder vor, die mit Kiefer, Kirsche, Elsbeere, Speierling oder Feldahorn durchsetzt waren.

Die Durchmischung mit Nadelhölzern erfolgte langsam und zögernd nur dort, wo das Wirtschaftsziel nicht erreicht wurde, also etwa da, wo die Laubholzverjüngung gescheitert war.

Bei der Verjüngung der mächtigen Buchen ließ man die geradwüchsigen Bäume durch sorgfältige Auswahl beim Markieren – sogar noch in den ersten Jahren des Zweiten Weltkriegs – ein möglichst hohes Alter erreichen. Hier konnte sich der begehrte Rohstoff für die ansässige Holzindustrie besonders gut entwickeln.

Unvergessen bleibt mancher schöne „Waldesdom“ mit einem reich verzierten gewölbten Blätterdach. Hierfür steht allen voran die Abteilung „Kleinengelein“ im früheren Forstamt Hundelshausen.

Ein altes Gewerbe im Steigerwald
Schaufelmacher ist ein altes Gewerbe im Steigerwald. Nachweisbar erfolgt die Herstellung von Holzschaufeln schon seit 1870 in Neuschleichach, südlich von Zeil am Main, bei der Firma Kronewitter. Daneben fertigt der Betrieb Werkzeug- und Gerätestiele, Holzrechen und Kuchenbretter an. Sonst gibt es nur wenige Unternehmen, die dieses alte Gewerbe noch ausüben.

Sehr aufwändig war es, eine Buchenschaufel mit Stiel aus einem Stück herzustellen, denn der Kern eines Stammes ist nicht verwendbar. Zudem darf die Holzfaserung nicht senkrecht zum Schaufelblatt stehen. Um den Abfall zu reduzieren und unnötige Holzverluste zu vermeiden, werden Schaufelteller und Stiel heute einzeln angefertigt und dann zusammengefügt.

Wo die benötigten hochwertigen Altbuchen besonders gediehen, zeigen die noch bei der Firma Kronewitter erhaltenen Abgabescheine. Danach kam ein großer Teil der Stämme aus dem von Richard Meidel von 1933 bis 1960 geleiteten ehemaligen Forstamt Hundelshausen (Anmerkung der Redaktion: Es handelt sich um den Vater des Autors). Genannt werden unter anderen die Waldorte Bachrangen, Dreibrunnknuck, Heidenfelder Rangen, Heuscheuer und Kleinengelein.

Ein Brief Richard Meidels vom 4. Februar 1931 zeigt ferner, dass die Firma Kronewitter mit dem Forstmeister schon zu der Zeit in Verbindung stand, als er noch an der Forstamtsaußenstelle Gramschatz beschäftigt war.

Gewinnugn einer Buchenschaufel
In einem Bericht über einen Lehrausflug des Deutschen Forstvereins in das Forstamt Hundelshausen aus dem Jahr 1935 ist festgehalten, wie aus einem großen Stamm an der Zigeunerhütte nördlich von Geusfeld bei der Mittagsrast eine Schaufel ohne den Einsatz von Maschinen hergestellt wurde.

Wir zitieren: „Die Schaufelbuche soll mindestens 75 Zentimeter stark sein; je stärker sie ist, desto breiter können die Schaufeln gearbeitet werden. Man sägt die Buche zunächst in Schaufellängen (etwa 1,40 Meter lange Stücke, so genannte Bloche) und spaltet diese Bloche auf den Kern in ziemlich dünne Scheite. Nun wird die Schaufel einschließlich Stiel nach Schablone mit einem Farbstift auf das Scheit aufgezeichnet, dann werden zwei kleine Sägeschnitte nach der Stelle geführt, wo der Stiel in das Blatt mündet, und dann wird sowohl der Stiel als auch das Schaufelblatt heraus gespalten. Die Kehlung der Schaufel wird mit einem Spezialmesser, dem Dechsel, herausgeschnitten.“

Der Verfasser des Berichts fährt fort: „Die fertigen Schaufeln werden daheim in der Räucherkammer mit Buchenholzrauch geräuchert. Dadurch erhalten sie ihre schöne rötlich-gelbe Farbe.“

Großer Holzabfall
Was den Holzabfall anbelangt, so sei dieser sehr groß, wenn die Schaufel mit Stiel aus einem Stück geschnitzt werde, heißt es hierzu. Die Abfälle würden zwar noch zu kleineren Gegenständen verarbeitet, aber trotzdem sei die Ausbeute bedeutend größer, „wenn man die Stiele besonders arbeitet und dann anschraubt“.

Die Steigerwald-Schaufeln hätten zudem „den Vorteil vor denen, die im Erzgebirge hergestellt werden“, dass sie sich nicht verziehen. Weiter geht aus dem Bericht von 1935 hervor, dass zu diesem Zweck nur gut spaltbare Buche und frisch gefälltes Holz geeignet seien.

Hierzu folgt am Ende der mahnende Hinweis: „Der Vorrat an gut spaltbaren Starkbuchen geht stark zurück. Deshalb ist sehr haushälterisch damit umzugehen.“

Von Erich Meidel

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