Holzwirtschaft im Steigerwald – Ein Gastbeitrag von Ulrich Mergner

Nachfolgend finden Sie einen Gastbeitrag von Ulrich Mergner, Leiter des Forstbetrieb Ebrach, über die wirtschaftliche Bedeutung der Holzwirtschaft in der Steigerwaldregion.

In der lokalen Presse war in den letzten Tagen ein Artikel unter der Überschrift „Nationalpark: Die Bedeutung des Titels für die Region“ veröffentlicht. Darin wird Frau Schindler-Schaller, Inhaberin des Kindermöbelherstellers Silenta in Ebrach, wie folgt zitiert:

„Inhaberin Heidrun Schindler-Schaller beklagt die irreführenden Aussagen des Forstbetriebs zur Holzwirtschaft. Es würden künstlich Ängste über die Holzversorgung geschürt und die Zahl der Sägewerke würde stark übertrieben ´Wir erwarten uns hier mehr Transparenz und Wahrheit von den Bayerischen Staatsforsten´“.

Dazu möchte ich folgende Daten mitteilen:

1. Im Steigerwald (zwischen Maintal und Aischgrund) gibt es rd. 60 Sägewerke.
25 davon werden vom Forstbetrieb Ebrach mit Holz beliefert. Die Hälfte dieser Sägewerkskunden ist auf Laubholz spezialisiert. An regionale Sägewerke gehen rd. 90% des Laubstammholzes (Buche, Eiche, Edellaubholz) aus dem Forstbetrieb. Im Vergleich mit anderen Regionen ist die Häufung von Sägewerken eine deutschlandweit einmalige Situation. Es war deshalb von Anfang an unstrittig, dass die Bayerischen Staatsforsten mit ihrem Forstbetrieb Ebrach vorrangig den Holzbedarf in der Steigerwaldregion decken.

2. Bei der Herstellung von Buchen- und Eichenstammholz entstehen Koppelprodukte (Brennholz, Industrieholz, Totholz), so dass die dreifacher Holzmenge erforderlich ist, um die Stammholzmenge von rd. 16.000 Festmeter zu erreichen. Hinzu kommt Durchforstungsholz aus schwächeren Beständen.
Mit den Koppelprodukten und dem Durchforstungsholz werden vorrangig der Brennholzbedarf der örtlichen Bevölkerung und der professionellen Scheitholzhersteller in der Regionen gedeckt. Letztere haben ihre Kundschaft ebenfalls überwiegend in der Steigerwaldregion. Überschießende Mengen werden als Industrieholz verkauft, wovon inzwischen ein Teil in der Region bleibt und ein anderer Teil für die Viskoseproduktion an die Firma Lenzing im Salzburger Land geliefert wird (und als Bekleidungsstoff wieder nach Deutschland zurück kommt).

3. Die Transportkostenbelastung beim Rundholz beträgt rd. 5.- € / 50 km Transportentfernung. Durch das Holz der kurzen Wege aus dem Forstbetrieb haben die regionalen Sägewerke auf der Aufwandseite einen Konkurrenzvorteil. Dieser würde entfallen, wenn sie ihren Holzbedarf nicht mehr vor Ort decken könnten. Die Holzmenge aus dem Forstbetrieb Ebrach hat deshalb einen entscheidenden Anteil an der Wirtschaftskraft der holzverarbeitenden Betriebe in der Region. Zu den Holz verarbeitenden Betrieben kommen auch noch die regionalen Einschlags-, Rücke- und Holztransportunternehmen. All das müsste in eine seriöse Kalkulation über die Faktoren einbezogen werden, die für die Wirtschaftskraft der Steigerwaldregion bedeutend sind.

4. Der Forstbetrieb hat Zahlen über die Holzströme aus dem Forstbetrieb Ebrach seit vielen Jahren transparent gemacht (s. nachstehende Tabelle). Auch anlässlich eines Vortrag beim Buchenwaldseminar des BUND Naturschutz am 27.06.2015. Die Vortragsfolien können auf den Internetseiten des BUND Naturschutz und des Freundeskreis Nationalpark Steigerwald nachgelesen werden. Der Vorwurf der mangelnden Transparenz ist deshalb nicht gerechtfertigt.

Tabelle über Holzeinschlag und Holzverkauf für das Geschäftsjahr 2013

(Tabelle: Ulrich Mergner)

5. Alle verantwortungsvollen regionalen Politiker haben sich umfassend mit der Datenlage und der Gesamtsituation in der Region befasst. Die Entscheidung, die Bewirtschaftung des Staatswaldes im Steigerwald beizubehalten und das Naturschutzkonzept (Trittsteinkonzept) weiterhin konsequent umzusetzen, ist nicht im Ermessen des Forstbetriebs, sondern eine Entscheidung, die von der Bayerischen Staatsregierung und vom Bayerischen Landtag in den letzten Jahren getroffen wurde.

Ulrich Mergner
Forstbetrieb Ebrach