Faktencheck zur Umfrage der Partei “Bündnis 90/Die Grünen“ durch ein Fachinstitut

 

Der Verein Unser Steigerwald e.V. stellte in Frage, ob die Ergebnisse der vom Bündnis 90/die Grünen Ende 2020 in Auftrag gegebenen Umfrage zum Thema Nationalpark (NP) im Steigerwald stimmig sind. Das veröffentlichte Ergebnis lautete „Die Steigerwälder sagen mit Mehrheit JA zum Nationalpark (NP), 75% der Befragten in der Region befürworten den Nationalpark im Steigerwald“.

Wir haben einen Faktencheck durch ein Fachinstitut veranlasst, der den suggestiven Charakter der Fragestellung in der Umfrage von Bündnis 90/die Grünen deutlich herausstellt und deren Aussagekraft ad absurdum führt.

Der Faktencheck im Detail:

Allgemeine Kritik:

  • Die Bevölkerung im unmittelbar angrenzenden Landkreis Kitzingen ist nicht befragt worden. Die Menschen in den Städten Bamberg und Schweinfurt erleben den Steigerwald vor allem als Erholungsgebiet, während die wirtschaftliche Abhängigkeit von der Waldbewirtschaftung im ländlichen Raum tendenziell deutlich höher ist.
  • Den Menschen werden meist Fragen gestellt, die komplexe Sachverhalte betreffen oder die zu beantworten forstliches Fachwissen voraussetzt:

 

Kritik an der Fragestellung:

Zu 3: Fänden Sie es gut oder schlecht, wenn in Franken ein Nationalpark Steigerwald eingerichtet wird?

  • Schon vor Beginn der inhaltlichen Fragen wird der Befragte aufgefordert, eine abschließende Beurteilung der Nationalparkfrage abzugeben. Er hat zu diesem Zeitpunkt noch keine Möglichkeit gehabt, Argumente dafür oder dagegen abzuwägen. Außerdem wird sich sein weiteres Antwortverhalten automatisch an die eingangs getroffene Entscheidung, den NP zu befürworten oder abzulehnen, orientieren. Eine die Gesamtheit betreffende Beurteilung darf deshalb erst am Ende einer Befragung stattfinden.

 

Zu 4: Ich nenne Ihnen nun einige Aussagen zum Nationalpark Steigerwald. Sagen Sie mir bitte, welchen Aussagen Sie zustimmen.

„Ein Nationalpark schützt Tiere, Pflanzen und alte Bäume besser als ein Wirtschaftsforst.“

  • Hier wird unterschlagen, dass bereits jetzt umfangreiche Naturschutzmaßnahmen im „Naturpark Steigerwald“ umgesetzt werden. Es wird suggeriert, der Steigerwald diene in erster Linie der Bewirtschaftung und es gäbe keinen Ausgleich zwischen den verschiedenen Waldfunktionen. Es liegen zahlreiche Studien vor, die bezweifeln, dass ein Ende der Bewirtschaftung die Biodiversität im betroffenen Wald schützt. Dieses Wissen kann nicht vorausgesetzt werden, ist für die qualifizierte Einschätzung des Sachverhalts aber essentiell.

 

 

„Ein Nationalpark bringt mehr Tourismus und Arbeitsplätze in den Steigerwald.“

  • Auch hier wir das bereits bestehende umfangreiche Tourismuskonzept um den „Naturpark Steigerwald“ unterschlagen. Eine mögliche Steigerung des Fremdenverkehrs durch das „Gütesiegel“ Nationalpark müsste dem Arbeitsplatzverlust in den von der Waldnutzung betroffenen Branchen gegenübergestellt werden. Dies erfordert zusätzliches Faktenwissen (wie viele Betriebe beschäftigen wie viele Menschen?), das in der Telefonumfrage nicht vermittelt wird. Ein Nichteingriff bei großen Kalamitäten kann auch zur zwischenzeitlichen Zerstörung der Waldkulisse (siehe Buchennationalpark „Hainich“) führen, was touristisch deutlich unattraktiver ist. Nicht erwähnt wird auch die Schwierigkeit der Sicherheit/Verkehrssicherung: Gerade in durch die Kombination von Klimawandel und Aussetzung der Beförsterung absterbenden Beständen kann dies zu umfangreichen Betretungseinschränkungen führen.

„Ein Nationalpark lenkt mehr staatliche Fördergelder und Investitionen in die Region.“

  • Auch hier müssten potenzielle Fördergelder (die ja aus Steuergeldern stammen, also der Öffentlichkeit gehören) den privaten Investitionen der holznutzenden Unternehmen gegenübergestellt werden. Ein Unternehmen mit Versorgungsschwierigkeiten beim Rohstoff Holz wird im Zweifelsfall nicht mehr investieren bzw. ist sein Fortbestand an sich gefährdet.

„Ein Nationalpark führt zu Enteignungen und Auflagen für private Waldbesitzer und Landwirte.“

  • Durch die vorherige Klarstellung, dass ein Nationalpark nur im Staatswaldgebiet geplant ist, wird suggeriert, dass durch die Einrichtung eines Nationalparks keine Gefährdung für den Privatwald stattfindet. Auch hier kann man nicht davon ausgehen, dass den Befragten alle Fakten bekannt sind, etwa die Gefährdung angrenzender Privatwaldgebiete durch unterlassene Schädlingsbekämpfung im Nationalpark.

„Ein Nationalpark bedeutet umfangreiche Betretungsverbote und Sammelverbote für Pilze und Pflanzen.“

  • Anders als im jetzigen Naturpark Steigerwald würde für die Kernzone (in der Regel mehr als ein Drittel der Gesamtfläche) eines Nationalparks tatsächlich Betretungsverbote zumindest abseits der Wege gelten. Im Vergleich zu jetzt wäre also ein größerer Teil des Waldes nicht zu betreten. Das gilt besonders für das Pilzesammeln, für das die Wege in der Regel verlassen werden müssen. Es ist unwahrscheinlich, dass diesbezüglich im Rahmen der Befragung eine Aufklärung der Teilnehmer stattgefunden hat.

„Ein Nationalpark bringt Arbeitsplatzverluste in der Forst- und Holzwirtschaft.“

  • Siehe oben. Es ist nicht plausibel, dass die Befragten ausreichend Kenntnisse über Beschäftigungszahlen und die Bedeutung des Steigerwalds für die regionale Rohstoffversorgung der Unternehmen haben.

 

Zu 5.: Im Koalitionsvertrag zwischen CSU und Freien Wählern wurde festgelegt, dass es in der Legislaturperiode 2018 – 2023 keinen dritten Nationalpark in Bayern geben wird. Halten Sie diese Entscheidung für richtig oder falsch?

  • Hier soll der befragte die Aussage im Koalitionsvertrag bewerten, ohne die politischen Hintergründe zu kennen. Dier Staatsregierung hat in den vergangenen Jahren kontinuierlich Waldflächen aus der Nutzung genommen, allein in 2020 mehr als 5.000 ha. Damit sind die Ziele der nationalen Biodiversitätsstrategie, 10% des Landeswaldes nicht zu bewirtschaften, in Bayern übererfüllt. Wegen der großen wirtschaftlichen Verluste durch die Einrichtungen von Nationalparks wurde gleichzeitig beschlossen, die Holzversorgung nicht zusätzlich zu belasten. Der für die Industrie schmerzhafte Kompromiss wird in der Umfrage als autoritäre Entscheidung dargestellt, ohne die komplexe Vorgeschichte. An dieser Stelle scheint klar die politische Absicht der Partei „Die Grünen“ als Auftraggeber der Befragung durch.