Fakten und Fake News in den Wäldern um Ebrach

Auch Petra Diener, Revierleiterin vom Revier Hundelshausen des Forstbetriebs Ebrach, nimmt Stellung zu den Aktionen und Meldungen des Bund Naturschutz.

Groteske Aktionen des Bund Naturschutz Bayern e.V.

Im Jahr 2014 hatte der damalige Bamberger Landrat im Ebracher Forst willkürlich und völlig widerrechtlich eine Fläche von 775 ha aus der Nutzung genommen und als „geschützten Landschaftsbestandteil“ ausgewiesen.
Die Regierung von Oberfranken hatte 2015 die Verordnung wieder aufgehoben. Dagegen hatten der Bund Naturschutz und der Nationalparkverein geklagt. Sowohl die Richter des Bayrischen Verwaltungsgerichtshofs, als auch die Richter des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig urteilten, dass die Aufhebung rechtmäßig war.
Das bedeutet, dass der Ebracher Forst ein ganz normaler Wirtschaftswald ist.
In der Folge wurde natürlich auch geplant, die Nutzung wieder aufzunehmen.
Trotz des eindeutigen Urteils versuchten die Bayerischen Staatsforsten die Nutzung behutsam und im Konsens mit dem Bund Naturschutz anzugehen. Statt des normalen Einschlags in Höhe von 6000 m³ wurde vereinbart, zunächst nur 1000 m³ einzuschlagen. Dies wurde sowohl mit den Vertretern des BN, als auch mit der interessierten Öffentlichkeit so kommuniziert.
Auch aus diesen Gründen ist der Aktionismus des BN umso verwerflicher.
Dem BN geht es nicht mehr um die Sache, sondern nur noch um die Umsetzung seines Zieles: Nationalpark im Steigerwald.
Zu diesem Thema wurde uns dieser Leserbrief zugeschickt, der die über den Ablauf genau informiert:

Unverständlicher Aktionismus des Bund Naturschutzes Bayern e.V.

Seit dem gemeinsamen Waldbesuch des ehemals geschützten Landschaftbestandteiles im Ebracher Forst im Spätsommer 2018 aus Vertretern der Führungspitze des BN, den beiden Vorständen der Bayerischen Staatsforsten und einigen verantwortlichen Förstern aus dem Forstbetrieb Ebrach ist in gegenseitiger Abstimmung aller anwesenden Beteiligten bekannt, dass und wie die Bewirtschaftung im Herbst/Winter diesen Jahres wieder rechtmäßig aufgenommen wird. Über diesen gemeinsamen Begang und dessen Resultate wurde vielfach in der Presse berichtet.
Seit Mitte November 2018 die Bewirtschaftung wieder erfolgt, attackieren und beschimpfen die Naturschutzverbände wie der BN mit Beteiligung von anderen Interessensgruppierungen den Forstbetrieb Ebrach. Sie verbreiten bewusst Panik, Wut und Falschinformationen unter den Bürgern über die Medien durch die Verwendung von falschen und irreführenden Begriffen wie Rodung, Abschlachten und Kahlschläge, jahrhundertealte Buchen … – um nur einige zu nennen. Nichts dergleichen entspricht der Realität! Die Wahl derartiger Begriffe entspricht derer von Werbe- oder Propagandaunternehmen, die nicht an sachlicher und umfassender Information interessiert sind, sondern auf gezielte Verfolgung eigener Interessen abzielen!

Gezielte Falschmeldung – Fake News Nummer 1

Was bedeuten diese Begriffe? Rodung beinhaltet neben der Baumfällung auch die Entfernung des Wurzelstocks mit schwerem Gerät und folgt in der Regel nach einem Kahlschlag. Kahlschlag bedeutet der Einschlag aller Bäume auf einer größeren Fläche. Abschlachten ist ein Begriff aus dem Schlachthof oder im Fall von Tierseuchen auch aus der Tierhaltung und verursacht beim Leser oder Hörer ausschließlich negative mit Grausamkeit besetzte Emotionen. Jahrhundertealte Buchen sind mindestens 300 Jahre alt (die Buche kann bei uns bis zu 500 Jahre werden) – im betreffenden Waldteil sind diese maximal 160 Jahre. 300 Jahre alte oder noch ältere Buchen gibt es im gesamten Bereich des Forstbetriebs Ebrach nicht!

Bewußte Erfindung und begriffliche Verwirrung – Fake News Nummer 2

Das Waldgebiet, um das es geht, unterscheidet sich in keiner Weise von den restlichen Wäldern innerhalb des Forstbetriebs. Es sind völlig normale und durchschnittliche Wälder wie überall rund um Ebrach. Sie sind weder besonders alt, noch besonders wertvoll für den Naturschutz. Die angeblich besondere Bedeutung oder Zusammensetzung ist eine Erfindung des BN genauso wie der selbst erfundene Name „Hoher Buchener Wald“ oder neuerdings „Klosterwald“. Durch diese Namensgebung wird versucht, dem Waldgebiet eine Besonderheit hinein zu interpretieren, die er überhaupt nicht hat.

Gewinnstreben steht im Vordergrund – Fake News Nummer 3

Waldbewirtschaftung hat das Ziel standortgerechte, gesunde, gemischte und stabile Wälder zu erziehen, die alle Funktionen für die Gesellschaft gleichermaßen gut und ausgewogen erfüllen können. Aufgrund der sich ändernden klimatischen Rahmenbedingungen sind Forstleute und Forstwissenschaftler gefordert, gerade diesen Anspruch zur Sicherung der durch den Wald gewährleisteten Leistungen für die Gesellschaft auch in Zukunft zu erfüllen. Alle im Wald stattfindenden Maßnahmen dienen nicht zuletzt auch diesem Ziel und es werden dafür Millionen Euro beispielsweise für die Pflanzung stabiler, klimatoleranterer Baumarten investiert. Viele unterschiedliche Naturschutzprojekte in allen bayerischen Forstbetrieben sind in den vergangenen Jahren realisiert worden. Naturschutzkonzepte mit Totholzanreicherung, Biotopbäumen und Trittsteinflächen, Methusalembäumen, besonders alten und historisch bedeutsamen Bäumen, sowie einer Vielzahl an Naturwaldreservaten sind ein wichtiger Bestandteil der naturschutzintegrativen Waldwirtschaft in den bayerischen Staatswäldern. Und zudem wird ein umweltfreundlicher, nachwachsender und vielseitig verwendbarer Rohstoff für die Menschen der Gesellschaft produziert.

Vertrauen zu den Forstleuten zerstören – Fake News Nummer 4

Forstleute sind aufgrund ihrer umfassenden Ausbildung in der Lage, den Wald als komplexes Gesamtökosystem zu verstehen und zu behandeln. Bei allen durchzuführenden Maßnahmen findet eine Bestandsaufnahme, Beurteilung und Abwägung von Nutzen oder Schaden statt. Bei der täglichen Arbeit stehen das Wohl und der Erhalt der Wälder stets im Vordergrund. Die Gewissheit und das Vertrauen in die FörsterInnen waren deshalb eine Selbstverständlichkeit.
Lisa Badum, Bundestagsabgeordnete der Grünen, lässt sich im Ebracher Wald an eine Buche angekettet fotografieren. Im rosa Mantel ist sie die Retterin der Bäume! Dieses Photo in der Presse vermittelt und verschärft ganz bewusst für den Betrachter den Eindruck, die Bäume müssten vor den FörsterInnen beschützt werden! Eine unglaubliche Anmaßung!

Nur dicke Buchen sind naturschutzfachlich wichtig – Fake News Nummer 5

Ohne Zweifel beherbergen die buchendominierten Mischbestände des Steigerwaldes aufgrund ihrer Zusammensetzung und Strukturen eine Vielzahl auch seltener Arten und sind ein wichtiger Lebensraum für diese. Dieser internationalen Verantwortung sind sich Eigentümer und Bewirtschafter wohl bewusst. Diese Wälder sind ein wesentlicher Teil des FFH Gebietes „Wiesentäler und Buchenwälder des Nordsteigerwaldes“. In Managementplänen ist ihr Erhaltungszustand definiert und gesichert.
Aber nicht nur dicke alte Buchen charakterisieren diese Wälder, sondern auch jüngere und schwächere, sowie eine Vielzahl an weiteren Baumarten. Dazu zählen 5 Nadelbaumarten und ca. 17 verschiedene Laubbaumarten. Auch diese Bäume bieten Lebensraum für die verschiedensten Waldarten und tragen zur Artenvielfalt im Steigerwald bei. So haben viele weitere Bäume und Baumstrukturen eine ebensolche Bedeutung und Berechtigung für den Arten- und Biotopschutz, wie beispielsweise Kiefern mit einer oder mehreren Spechthöhlen, Fichten mit Singvogelnestern, große Eichen mit einer Vielzahl an wärmeliebenden Insekten in ihren lichtdurchfluteten Kronen, Hainbuchen mit dem Nest einer Haselmaus, eine alte umgestürzte Eiche mit dem sehr seltenen Mosaikschichtpilz, Lärchen mit Milan- oder anderen Greifvogelhorsten, Linden mit schwärmenden Hirschkäfern im Juli/August, abgebrochene Hainbuchen mit einer oder mehreren Faulhöhlen, aufgesplitterte Eschen oder weitere Bäume mit abstehender Rinde als Sommerquartier für Fledermäuse, Eichen oder große Kiefern mit Schwarzstorchhorsten, abgestorbene, stehende vermorschte Birkenstämme mit Kleinhöhlen für Singvögel. Genauso sind auch Buchen schwächer als 60 cm Durchmesser mit Faulhöhlen am Boden oder am Stamm oder offenen Stammverletzungen oder ausgerissenen und abgebrochenen Kronenteilen Lebensraum für waldbewohnende Arten.
Diese Fakten werden in der gesamten Argumentation des BN komplett ausgeblendet, wider besseres Wissen.

Die Mehrzahl der Menschen im Steigerwald will den Nationalpark – Fake News Nummer 6

Die Wahrheit ist, dass die Mehrheit der in der Region lebenden Menschen einem Nationalpark gegenüber ablehnend eingestellt ist. Dementsprechend ist die überwiegende Mehrheit der Gemeindegremien und deren Bürgermeister im Verein Unser Steigerwald Mitglied, welcher einen Nationalpark ablehnt. Die Landräte der drei betroffenen Landkreise lehnen einen Nationalpark ebenfalls ab. Die Landtagswahl des heurigen Jahres hat allen Parteien, die einen Nationalpark gefordert haben – allen voran den GRÜNEN – ein sehr bescheidenes Ergebnis gebracht,
Woher nimmt der BN die Gewissheit für diese Behauptung?

Vision – kein Fake News

Zum Wohle unseres schönen laubholzreichen nördlichen Steigerwaldes, ist es an der Zeit wieder zu einer sachlichen und fairen Auseinandersetzung, einer konstruktiven und offenen Diskussion zu kommen anstelle die Bewirtschafter zu beschimpfen und die Bevölkerung zu polarisieren.“
Aus unserer Sicht ist dies wieder einmal ein Beispiel, dass es dem Bund Naturschutz weder um die Biodiversität in unserem wunderschönen Steigerwald geht, noch um die Menschen in der Region, sondern nur um seine Ideologie.
Das dafür auch bewusste Falschmeldungen verbreitet werden, ist leider nichts Neues.