Der Erlenbacher Landtagsabgeordnete Hans-Jürgen Fahn informierte sich im Ebracher Forstbetrieb, wie sich Ökologie und Ökonomie verbinden lassen. Das klappt im Steigerwald.

Es wäre toll, wenn alle bayerischen Forstbetriebe schon so weit wären mit der Umsetzung des neuen Waldschutzgesetzes wie der Betrieb in Ebrach.“ Das stellte Landtagsabgeordneter Hans-Jürgen Fahn (FW) aus Erlenbach fest, der sich mit dem Leiter des Forstbetriebs Ebrach, Ulrich Mergner, und Bürgermeistern aus dem Steigerwald zur Ortsbegehung traf. Der Forstbetrieb Ebrach erstreckt sich in den Kreis Haßberge bis an den Main.

Rauhenebrachs Bürgermeister Oskar Ebert (FW) freute sich, dass Fahn seit Jahren die Entwicklung im Steigerwald verfolge und die Anliegen der Bevölkerung im Landtag vertrete. Dem schlossen sich die Bürgermeisterkollegen Josef Radler aus Oberschwarzach und Josef Kuhn aus Michelau an. Mit von der Partie war auch Bürgermeisterin Birgit Bayer aus Riedbach, die sich ebenfalls über die Situation im Steigerwald informierte.   Sie ist die Landratskandidatin der Freien Wähler/FW.

Arbeitsauftrag für Forstbetriebe

Seit 2005 gilt ein neues bayerisches Waldgesetz; darin wird erstmals die Zielsetzung festgeschrieben, dass die biologische Vielfalt in den Wäldern gesichert und verbessert werden soll. Alle Forstbetriebe sind aufgefordert, Naturschutzkonzepte zu erarbeiten, doch von 42 Betrieben haben das den Angaben zufolge bisher nur 13 angepackt.

Unterfranken liege etwas besser, sagte Fahn. Von den sieben Forstbetrieben seien fünf in der Umsetzung eines solchen Konzepts. Enttäuscht war er, dass er erst mehrere schriftliche Anfragen im Landtag stellen musste, bis Einblick in diese Pläne gewährt wurde. „Ihre Anfragen haben dazu geführt, dass die Pläne künftig im Internet veröffentlicht werden“, erklärte Ulrich Mergner.

Er hat den 17 000 Hektar großen Forstbetrieb schon immer mit viel Gespür für eine ausgewogene Nutzung geleitet. Sein Ziel fasste er kurz zusammen: Wertholz schaffen sowohl für den Menschen als auch für die Natur.
Nicht so geschlossen wie andere Waldgebiete sei der Steigerwald, erläuterte Mergner anhand einer Karte, die aufzeigte, dass fast 100 Ortschaften im Bereich des Forstbetriebs liegen. Außergewöhnlich sei der hohe Laubholzanteil mit nahezu 80 Prozent.

Vernetzung der Reservate

Es gebe viele alte Baumbestände. Sechs Naturwaldreservate seien ausgewiesen (429 Hektar), dazu kämen über hundert sogenannte Trittsteine. Diese über das gesamte Gebiet verteilten Naturschutzflächen sollen helfen, die Naturwaldreservate zu vernetzen und bedrohten Arten die Verbreitung erleichtern. Dass das laut Mergner funktioniert, zeige der Ästige Stachelbart (ein Pilz), der sich jetzt auch in den nördlichen Steigerwald vorarbeitet.
Mergner spricht sich eindeutig gegen ein Großschutzgebiet aus.

Zum einen verfehle es gerade im Steigerwald das Ziel, denn es sei aufgrund der Topographie nur so auszuweisen, dass die wirklich wertvollen Bestände eher am Rande, relativ junge Wälder dagegen in der Kernzone liegen würden. Viele Arten wie etwa der Schwarzspecht würden von dezentralen Schutzgebieten stärker profitieren als von einem Großschutzgebiet, erläuterte der Fachmann.

Außerdem wendet sich Mergner gegen isolierte Naturschutzmaßnahmen. Wirklich gedient sei dem Wald, aber auch den Nutzern des Waldes, wenn auf ganzer Fläche in ganz Bayern, besser in ganz Deutschland, auf einem hohen Naturschutzniveau Waldwirtschaft betrieben wird.

Dazu bedürfe es eines Paradigmenwechsels, den das neue Gesetz allerdings einleite. Die Tatsache, pro Hektar zehn Biotopbäume stehen zu lassen, bedeute ja nicht, dazwischen nicht auch Bäume zu nutzen. Aber auch einige der krummen, astigen Bäume, die früher ausgeschnitten wurden, müssten eben stehen bleiben, um zunächst von Spechten, dann auch von Zunderschwämmen und Käfern besiedelt zu werden. Fast sechs Biotopbäume pro Hektar habe der Forstbetrieb Ebrach schon, sagte er, und in den über hundert Jahre alten Beständen seien es sogar 7,7 Biotopbäume.

Konzept der Bewirtschaftung

Auch zehn Prozent Stilllegungsflächen erreicht Mergner bereits. Auf 16 500 Hektar Waldfläche sind nach seinen Angaben 450 Hektar Naturwaldreservat. 550 Hektar umfassen die Trittsteine, und 750 Hektar steuern die Biotopbäume bei. Damit kommt er auf 10,6 Prozent, wobei die Naturschutzverbände die Biotopbäume nicht einrechnen.

Mergner beschrieb, wie er versucht, einen intelligenten Weg zu suchen, der Artenvielfalt ebenso ihr Recht zu geben wie der wirtschaftlichen Nutzung. Schließlich müsse man auch Holz als Werkstoff und als Brennstoff zur Verfügung stellen. Natürlich sei die Artenvielfalt im Naturwaldreservat am größten. Doch mit einer großflächigen Bewirtschaftung auf hohem ökologischen Standard sei der Natur besser gedient. So werde der Klimawandel gerade in Franken die Trockenheit noch verstärken. Mit mehr Totholz könne der Boden mehr Wasser speichern und bekomme zudem wertvolle Nährstoffe zurück, erläuterte Ulrich Mergner.

Artikel im Fränkischen Tag